Geschichte
Seit dem 13. Jahrhundert gehörte der Ort Herren, die sich nach Germolles benannten. Ihr befestigtes Haus, von dem der gewölbte Keller und die untere Kapelle bis heute erhalten sind, bildete den Mittelpunkt eines wachsenden Besitzes. Der Letzte des Geschlechts geriet in Schulden, und um 1380 übernahm Philipp der Kühne, der erste Valois-Herzog von Burgund, das Anwesen. Fast unmittelbar darauf schenkte er es seiner Gemahlin Margarete von Flandern.
Margarete machte Germolles zu ihrem liebsten Landsitz und holte die Künstler des herzoglichen Hofes herbei. Der Werkmeister Drouet de Dammartin gestaltete die Gebäude um, während die Bildhauer Jean de Marville und Claus Sluter sowie der Maler Jean de Beaumetz an der Ausstattung arbeiteten. Die Herzogin führte das Anwesen zudem als Mustergut, mit einem großen Rosengarten und einer Schäferei. König Karl VI. weilte im Februar 1389 hier.
Nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 fiel das Gut an die französische Krone, die es nacheinander an verschiedene Familien verpfändete. In der Revolution wurde es als Nationalgut verkauft, und Teile des Baus gingen durch Verwahrlosung und Feuer verloren. Ende des 19. Jahrhunderts erworben, ist Germolles seither im Besitz derselben Familie und empfängt seit 1970 Besucher.
Architektur
Germolles zeigt, wie aus einer Wehranlage des 13. Jahrhunderts ein Palast wurde. Im gewölbten Keller und in der unteren Kapelle mischen sich spätromanische und frühgotische Bildhauerarbeiten. Eine breite Wendeltreppe empfängt die Besucher, und der Hauptbau bewahrt hohe Fenster, gotische Kamine und seltene Wandmalereien vom Ende des 14. Jahrhunderts. In einem kleinen Raum ziehen sich noch heute die Initialen P und M, für Philipp und Margarete, zwischen gemalten Disteln über die Wände.